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Wir haben im vergangenen Jahr im Rahmen des Betreuten Wohnens mit unserer Sozialarbeiterin zusammen neben einem Krisenplan eine Notfall-Liste erstellt, die wir bei einer Akutaufnahme in einem Allgemeinkrankenhaus oder in einer psychiatrischen Klinik dem diensthabenden Arzt aushändigen können. Das erleichtert die Kommunikation und zeigt, daß wir uns auf den Ernstfall vorbereitet haben.
Wenn du eine Borderline-Persönlichkeitsstörung, eine Schizotypische Persönlichkeitsstörung oder eine Dissoziative Identitätsstörung hast, so ist es nicht unwahrscheinlich, daß es regelmäßig zu schweren Krisen kommen kann, die unter Umständen eine Aufnahme in eine Klinik notwendig machen. Dabei kann es durchaus um ganz unterschiedliche Symptome gehen, die eine Einweisung notwendig machen, jedoch ist es in solch einer akuten Krise oft so, daß man, besonders bei schwerer Dissoziation schwer in Kontakt treten kann mit dem Arzt und ihm oder der Ärztin ruhig erklären kann, welche Erkrankung man hat, welche Medikamente man nimmt und welche man aus bisherigen Erfahrungen keinesfalls mehr nehmen möchte. Gerade letzteres kann so ein ernsthaftes Problem werden. Denn wenn du nicht vorbereitet bist und in der Krise nicht die Gründe plausibel erklären kannst, dann kann dir das als mangelnde Einsicht oder Kooperationsbereitschaft ausgelegt werden. Eine Notfall-Liste aber kann auch in einer hektischen Aufnahmesituation, wenn viele Patienten warten gerade hilfreich sein. Sie fördert den Eindruck von Eigenverantwortlichkeit und Selbstmanagement. Der Arzt kann kurz die übersichtlich gestalteten und mit dem Computer geschriebenen Seiten lesen und weiß nun folgendes:
- Deine wichtigsten psychiatrischen Diagnosen, an erster Stelle jeweils entsprechend Borderline (F 60.31) oder Dissoziative Identitätsstörung (F 44.81
- Falls vorhanden: wichtige somatische Diagnose(n) wie beispielsweise Herz- oder Nierenerkrankungen, Allergien o. a.
- Verordnete Medikamente in genauer Dosierung (sehr wichtig, kann sonst schnell zu Missverständnissen führen)
- Medikamente, die du aufgrund negativer Erfahrungen keinesfalls mehr nehmen möchtest (mit kurzer stichwortartiger Begründung!)
- Behandelnde Ärzte (alle) mit vollem Namen und Anschriften der jeweiligen Praxen und Telefonnummern
- Ärzte in einem Allgemeinkrankenhaus kennen sich oft nicht mit Dissoziation aus und könnten schwere Dämmerzustände und Persönlichkeitswechsel falsch auffassen. Wenn du eine Dissoziative Identitätsstörung hast, ist es sinnvoll, die ICD-Bezeichnung 'Multiple Persönlichkeit' zusätzlich mit dem Schlüssel F44.81 aufzuführen, auch wenn an sich die Beziechnung 'Dissoziative Identitätsstörung' bei Fachärzten und Therapeuten üblich ist mittlerweile.
- Ein Hinweis zu Selbstverletzendem Verhalten, das zum Krankeitsbild (Borderline oder DIS) gehören kann, könnte in einer chirurgischen Ambulanz oder in einer Notaufnahme vielleicht Hemmungen auslösen, dich auf eine geschlossene Station einzuweisen! Nämlich dann, was leider noch immer so vorkommt, wenn der Arzt dich beim Anblick deiner Arme für akut suizidal hält.
- Wenn du eines oder mehrere Haustiere hast, dann empfiehlt sich für den Notfall mit vorheriger Absprache jemanden mit Telefonnummer einzutragen, der sich im Notfall um deinen Liebling oder deine Lieblinge kümmert. Denn in einem ernsten Notfall, wo du es selbst nicht kannst, müßte u.U. das Krankenhaus dort anrufen
- Welche sind deine vier hilfreichsten Skills, die du regelmäßig verwendest?
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Bisherige leidvolle und wenig glückliche Erfahrungen haben uns gelehrt, jederzeit außer Haus eine solche Liste bei uns zu führen. Vielleicht hilft es auch, diese Liste vom behandelnden Facharzt unterschreiben zu lassen. Wir jedenfalls fühlen uns, auch nach einer unvorbereiteten Notoperation und weniger erfreulichen Erfahrungen in psychiatrischen Krankenhäusern gewappnet für den Ernstfall.
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