Die Prävalenz einer Störung bedeutet, wie hoch der Anteil Betroffener in der Bevölkerung ist. Für die Borderline-Persönlichkeitsstörung liegt die Prävalenz innerhalb der Gesamtbevölkerung zwischen 1-2 %.

Zur Epidemiologie ist folgendes zu sagen:
Die Betroffenen sind weitaus häufiger weiblich (ca. 70%), weswegen wir im Bereich Borderline-Persönlichkeitsstörung unserer Homepage überwiegend die weibliche Form wählen. Sie tendieren eher zu einem Leben in der Stadt, haben stürmische Ehebeziehungen, sind aber unterdurchschnittlich oft geschieden oder getrennt lebend.
Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind gegenüber der Gesamtbevölkerung häufiger körperbehindert, haben häufiger Alkohol- oder Drogenprobleme, Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und sexuelle Probleme. Sie haben ebenso häufig einen High-School-Abschluß wie der Gesamtdurchschnitt, haben jedoch einen nierdigeren sozioökononmischen Status.
Obwohl eine Komorbidität mit der Antisozialen Persönlichkeitsstörung bei den Betroffenen vorkommen kann, ist der Anteil derjenigen, die antisoziales Verhalten zeigen mit 16,3% nicht höher als in der Gesamtbevölkerung (18,1%).
Dies wurde von Swartz, Blazer et al. 1990 in einer Studie mit 4000 Probanden aus der Gesamtbevölkerung mithilfe des 'Diagnostischen Interviews für Borderline-Störungen (DIB)' untersucht (vgl. Birger Dulz u. Angela Schneider, 2004, S. 8). Sie stellten für die Borderline-Persönlichkeitsstörung eine Prävalenz von 1,8 % fest.

Gegenüber der Gesamtbevölkerung besteht bei Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung ein höheres Suizidrisiko. Verschiedene Studien zeigen Ergebinisse zwischen 5-10% (vgl. Birger Dulz und Angela Schneider, 2004, S. 9). Das Risiko für einen vollendeten Suizid ist umso höher, wenn eine Betroffene in der Vergangenheit bereits einen oder mehrere Suizidversuche unternommen hatte. Dabei wurden die bisherigen Suizidversuche, laut einer Studie von Paris, Brown und Nowlis (1989, vgl. Birger Dulz u. Angela Schneider, 2004), von Behandlern als manipulativ und also nicht ernsthaft eingeschätzt.

    Die daraus zu folgernde Fehleinschätzung der Ernsthaftigkeit der Suizidalität muß als ein Indiz dafür gesehen werden, daß das Leid der Borderline-Patienten nicht ausreichend gewürdigt, also unterschätzt wird. Dies zeigt sich auch im alltäglichen Umgang mit "Borderlinern": Wie oft äußern Mitarbeiter im Brustton der Überzeugung "Der ist gar nicht krank, der ist nur arbeitsscheu!" und "Der will gar keine Therapie, der will nur ein warmes Bett und Essen." Die Professionalität eines Mitarbeiters zeigt sich daran, ob solche Äußerungen als Ausdruck der Gegenübertragung gesehen werden können und dann für den weiteren Umgang mit den Patienten nicht mehr maßgeblich sind (Birger Dulz u. Angela Schneider, 2004, S. 9).

Wegen des hohen Suizidrisikos von bis zu 10% kann die Borderline-Persönlichkeitsstörung als eine lebensbedrohliche Erkrankung gesehen werden ( Birger Dulz u. Angela Schneider, 2004, S. 9). Marsha Linehan und ihre Kollegen entwickelten speziell für suizidale Borderline-Patientinnen die Dialektisch Behaviorale Therapie.

Die meisten der Betroffenen (80%) befinden sich in irgendeiner Form in psychiatrisch psychotherapeutischer Behandlung, so die Ergebnisse einer breitangelegten norwegischen Feldstudie (vgl. Martin Bohus, 2002, S. 10).

Zwar sind Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung seltner geschieden oder getrennt lebend, jedoch leben sie insgesamt seltener mit einem Partner zusammen (20%), noch seltner sind sie verheiratet (13%) (vgl. Martin Bohus, 2002, S. 10).

Nur 5% von ihnen haben keinen Schulabschluß, allerdings gehen nur 20% einer Vollzeitbeschäftigung nach und 8% einer Teilzeitbeschäftigung. Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung bevorzugen insbesondere soziale Berufe (Martin Bohus, 2002, S. 10).

Literatur:
Bohus, Martin; Borderline-Störung, 2002, Hogrefe
Dulz, Birger; Schneider, Angela; Borderline-Störungen, 2004, Nachdruck der 2. Auflage, Schattauer



Borderline-Persönlichkeitsstörung



Monika Kreusel

Zuletzt aktualisiert am 15.08.2006

www.blumenwiesen.org