|
Schon die unterschiedliche Zuordnung der Schizotypen Störung in der ICD 10 in Nähe der Schizophrenien und durch die American Psychiatric Association als Schizotypische Persönlichkeitsstörung zu den Persönlichkeitsstörungen läßt annehmen, daß es unterschiedliche Ansichten über die psychotherapeutische Behandlung gibt.
Seine oder ihre Grundhaltung besteht aus feindseligem Rückzug und Selbstvernachlässigung. Der oder die SZT glaubt, die Fähigkeit zur magischen Einflußnahme zu haben, die direkt (Telepathie) oder indirekt (Kontrolle durch ein Ritual)umgesetzt werden kann. Gewöhnlich setzt der oder die SZT ihre 'Kräfte' aus der Distanz ein. Er oder sie ist sich aggressiver Gefühle bewußt, beherrscht sie jedoch gewöhnlich. (Smith Benjamnin, 2001, S. 490)
Während Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung oft Alleinsein nicht ertragen können und dies als ein völliges Verlassensein erleben schützen sich Menschen mit Schizotypischer Persönlichkeitsstörung durch aktiven sozialen Rückzug. Sie schützen sich, möglicherweise aufgrund seelischer Mißhandlung in Form von solchen Erfahrungen vor der oben beschriebenen angreifenden und demütigenden Kontrolle (Smith Benjamin)durch andere Menschen. Somit kann dieser Rückzug auch der Bewältigung von Angst dienen, wenn es traumatische Beziehungserfahrungen in der Kindheit und Jugend gab. Viele Menschen mit Schizotypischer Persönlichkeitsstörung leiden, wie es den diagnostischen Kriterien zu entnehmen ist unter ausgeprägter sozialer Angst. Durch ein in der Kindheit und Jugend mögliches elterliches Verbot mit anderen Kindern zu spielen und die besagte gleichzeitige Kontrolle sowie den daraus resultierenden feindseligen Rückzug konnten notwendige soziale Erfahrungen zumindest nicht ausreichend gemacht und soziale Kompetenzen nicht ausreichend erlernt werden. Die möglicherweise mißhandelnden Eltern dienten dabei auch nicht als geeignetes Modell zum Lernen. Unter solchen Voraussetzungen wird eine solche soziale Angst und extreme Schüchternheit leichter verständlich, jedoch wurden sicher nicht alle Betroffenen derart mißhandelt, wir wollen das also nicht generalisieren.
Der oder die SZT wird sich kaum um sich selbst kümmern, da die frühe Vernachlässigung als SICH SELBST VERNACHLÄSSIGEN, TAGTRÄUMEN internalisiert wurde. Er oder sie wird sich auch weniger wahrscheinlich als der oder die PAR (Anmerkung: jemand mit Paranoider PS) mit dem Agressor identifizieren. Stattdessen wird er SELBSTKONTROLLE AUSÜBEN, SICH SELBST EINSCHRÄNKEN, um seine Wut zu beherrschen. (Smith Benjamin, 2001, S. 493) Für Lorna Smith Benjamin sind Menschen mit einer Schizotypischen Persönlichkeitsstörung aufgrund ihrer Strategien besonders gefährdet Opfer von Mißhandlungen zu werden. Als Ursachen dafür sieht sie die Beherrschung der Wut, die Exentrik, die Ängstlichkeit sowie die Nachlässigkeit sich selbst gegenüber. Die Ängstlichkeit, die Nachlässigkeit gegenüber dem Selbst, die Exzentrik und die Beherrschung der Wut machen den oder die SZT zu einem sehr leichten Opfer für einen Mißhandler, der es braucht, straflos anzugreifen. Dies sind die Harmonik und Rhytmik des SZT-Lieds. (Smith Benjamin, 2001, S. 493) Durch die lange Abgeschiedenheit von anderen Menschen, die beispielsweise mit exzessiven Fernsehkunsum oder einsamen Musikhören während der Kindheit und Jugend gefüllt wurde (Smith Benjamin, 2001, S. 497) können die Betroffenen den Kontakt zur äußeren Realität und sozialen Normen verloren und eigene Regeln für die persönliche Hygiene und Kleigung sowie soziale Stereotypen entwickelt haben (Smith Benjamin, 2001, S. 497). Menschen mit einer Schizotypischen Persönlichkeitsstörung haben jedoch ein scharfes Gefühl der Getrenntheit von anderen, des Andersseins. Das führt zu der Überzeugung, daß gewöhnliche Kommunikation mit anderen Menschen nicht nur nicht wünschenswert, sondern auch gar nicht möglich ist. (Smith Benjamnin, 2001, S. 497). Menschen mit Schizotypischer Persönlichkeitsstörung wissen also aus Erfahrung sehr genau, daß sie anders sind und so wahrgenommen werden und auch u.a. deshalb tatsächlich Ablehnung erfahren. Aufgrund der Erwartung erniedrigt und gedemütigt zu werden, sind die Betroffenen in neuen sozialen Situationen extrem ängstlich und fühlen sich unbehaglich. Um nicht als 'seltsam' oder 'anders' gesehen und deshalb abgelehnt zu werden, ziehen sie es vor soziale Kontakte erheblich einzuschränken oder völlig zu vermeiden. Zudem vermeiden sie emotional aufwühlende Erfahrungen, die ihnen große Angst bereiten (Peter, Fiedler, 2003, S. 64). Sie wissen dann auch oft, aufgrund mangelndem sozialen Lernens nicht, wie sie sich in sozialen Situationen angemessen verhalten können. (Smith Benjamin, 2001, S. 498). So entsteht ein unglückseliger Kreislauf, denn der aktive Rückzug und das Vermeidungsverhalten bewirken weiterhin, daß die Betroffenen nicht durch soziale Erfahrungen Kompetenzen erlernen und ihre Angst bewältigen können. Aus der Nähe zur Schizophrenie einerseits, den traumatischen Erfahrungen andererseits und den Schizotypie-spezifischen Bewältigungstrategien und Defiziten im sozialen Lernen ergeben sich für eine störungsspezifische psychiatrische und psychotherapeutische Behandlung folgende Kosequenzen
Wir halten für traumatiserte Betroffene ein Fertigkeitsttraining vergleichbar mit dem der Dialektisch Behavioralen Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung für sinnvoll, das aber genau auf die Schwierigkeiten der Menschen mit einer Schizotypischen Persönlichkeitsstörung abgestimmt ist. So können sie in einer Gruppe mit anderen Betroffenen lernen, neues Verhalten zu lernen und Versäumtes zumindest teilweise nachholen. Zudem ist ein Umgang mit den schizophrenienahen Symptomen möglich und kann trainiert werden. Darüberhinaus ist auch ein Abbau dysfunktionaler Gedanken notwendig und hilfreich, der die Depressivität bei vielen Betroffenen und psychosenahe Symptome wie Argwohn und Beziehungsideen zu reduzieren hilft. Wir orientieren uns dabei an der Kognitiven Therapie der Schizotypischen Persönlichkeitsstörung von Aaron T. Beck und Arthur Freeman sowie am Metakognitiven Training (MKT) für schizophrene Patienten von PD Dr. Steffen Moritz und seinen Kollegen. Eine solche Therapie wäre wie die Dialektisch Behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitsstörung (DBT) nach Marsha Linehan auf lange Zeit angelegt und würde ein Mindestmaß an sozialen Kontakten von seiten der betroffenen TeilnehmerInnen erfordern, um durchführbar zu sein. Die Schizotypische Persönlichkeitsstörung ist in der Bevölkerung weit weniger bekannt als mittlerweile etwa die Borderline-Persönlichkeitsstörung, zu der es immerhin zahlreiche Bücher und Internetangebote, auch von Betroffenen gibt. Heutzutage bieten zahlreiche Kliniken die DBT stationär und auch ambulant in ihrem Therapieangebot an. Menschen mit Schizotypischer Persönlichkeitsstörung spüren zwar sehr genau, daß sie "anders" sind, streben aber eher kaum wegen ihrer Erkrankung eine Psychotherapie an, eher wegen komorbider Störungen wie beispielsweise Depressionen. Uns fällt auf, daß zunehmend mehr Betroffene auf unsere Homepage kommen, um etwas über ihre Erkrankung zu erfahren und sich mit anderen Betroffenen im Schizotypie-Forum auszutauschen, nachdem sie in einer Klinik ihre Diagnose erfahren haben. Es gibt im deutschsprachigen Raum nur zwei Homepages zur Schizotypischen Persönlichkeitsstörung, das heißt außer uns nur eine. Nicht selten in der Literatur und insbesondere häufig auf us-amerikanischen professionellen Internetangeboten wreden das seltsame Erscheinungsbild und Verhalten in den Vordergrund gestellt. Diese Darstellungen lassen ein Verstehen der erkrankten Menschen aus ihrer Sicht vermissen. Da möchte man sich als Betroffener kaum widererkennen! Ein so äußerst sensitiver und auch kränkbarer traumatiserter Mensch, der möglicherweise, auch aufgrund seines Wesens mißhandelt oder vernachlässigt und möglicherweise unabhängig davon zusätzlich sexuell mißbraucht wurde und vielleicht in der Schule massiv gemobbt und offen abgelehnt wurde wegen des 'Andersseins', wird sich so kaum verstanden und akzeptiert fühlen. Daß es anders geht, zeigt Peter Fiedler in seinem Buch 'Integrative Therapie der Persönlichkeitsstörungen'. Wir würden es zwar selbst nicht so formulieren, können aber die 'Luftwesentheorie' der zitierten betroffenen Kunststudentin nur zu gut verstehen! Nur, wie viele Betroffene, die gar nicht wissen, daß sie eine Persönlichkeitsstörung haben, werden dieses Buch lesen? Es ist in erster Linie für Fachleute geschrieben. Es bedarf geeigneter Bücher, die Betroffenen ein Verstehen ihrer Probleme ermöglicht. Wir versuchen mit unseren Informationen diese Lücke ein wenig zu schließen und die Kontaktaufnahme mit 'anderen Luftwesen' zu ermöglichen. Zur gegenwärtigen Zeit jedoch stellt sich die Frage, ob solche Gruppen, würden sie angeboten überhaupt zustande kämen. Denn es müßten dafür entsprechend viele ausreichend belastbare betroffene Menschen wissen, daß sie eine Schizotypische Persönlichkeitsstörung haben und motiviert sein, auf lange Zeit an solch einem intensiven Fertigkeitentraining in einer Gruppe teilzunehmen. In Kürze werden wir genauere Informationen zu den von uns ausgesuchten Fertigkeiten und deren Anwendungsmöglichkeiten online stellen. Wir bitten um Geduld. Danke.
Literatur:
Wir bedanken uns an dieser Stelle herzlich bei Prof. Dr. Peter Fiedler und PD Dr. Steffen Moritz, daß sie sich die Zeit nehmen, sich die Übungen zur Selbsthilfe und diese Seite anzusehen und unsere Fragen zu beantworten. Die Rückmeldungen sind sehr wertvoll und konstruktiv für uns, da wir mit unseren Informationen, unseren Vorschlägen für ein manualisertes Fertigkeitsttraining für traumatiserte Menschen mit einer Schizotypischen Persönlichkeitsstörung und den Übungen zur Selbsthilfe in der Wohlfühl-Oase, die wir anbieten eine Verantwortung gegenüber den betroffenen Gästen tragen. Bei PD Dr. Steffen Moritz danken wir besonders auch für den Hinweis auf das von ihm und seinen Kollegen neuentwickelte Metakognitive Training (MKT) für schizophrene Patienten, das uns den Blick erweitert für die Übungsfelder im Bereich des sozialen Lernens für Menschen mit Schizotypischer Persönlichkeitsstörung. Natürlich danken wir auch Dr. Khalid Murafi, mit dem uns seit einigen Jahren eine enge Freundschaft verbindet, für die zahlreichen konstruktiven Gespräche über die Probleme von Menschen mit einer Schizotypie und, daß er sich regelmäßig auf dem Laufenden hält, was wir Neues anbieten und Betroffenen den Besuch bei uns empfiehlt. |