Wir haben von 1994 bis 1997 selbst sehr traumatische Erfahrungen durch organisierte Kriminalität machen müssen, die uns nach wie vor erheblich beeinträchtigen. Durch äußerlich scheinbar kleinste Auslöser werden wir getriggert, reagieren mit schweren Dämmerzuständen, Angst, Depersonalisation oder auch somatoformer Dissoziation, also beispielsweise plötzlichem Blindsein oder Taubsein sowie Schlaflosigkeit. Werden täglich heimgesucht von traumatischen Erinnerungen, unser Herz rast dann und uns wird plötzlich sehr übel. Gar nicht zu reden von Mißtrauen, auf der Hut sein vor möglichen Gefahren, sozialer Isolation, sexuellen Problemen und erheblichen Schwierigkeiten, uns auf eine Beziehung einzulassen. Haben wir vorher eine Berufsausbildung abgeschlossen und in dem erlernten Beruf auch gearbeitet, mußten wir leider schweren Herzens unser Psychologiestudium vorzeitig beenden, sind jetzt dauerhaft erwerbsunfähig und 80 % schwerbehindert.

Auch wenn es uns aufgrund der eigenen Belastung außerordentlich schwer fällt, das hier umzusetzen, so liegt uns dies dennoch sehr am Herzen. Zwangsprostitution ist ein schweres Verbrechen, Menschenhandel moderne Sklaverei. Unter Einsatz von Drohungen, Vergewaltigungen durch mehrere Täter, sowie seelische und körperliche Gewalt werden Mädchen und Frauen zur Prostitution gezwungen und eingesperrt. Kommen die Mädchen und Frauen aus schwierigen Verhältnissen, sei es, daß beide Eltern alkoholabhängig sind, sie bereits in der Familie sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt haben und vielleicht recht beziehungslos nachts in Discotheken oder Clubs umherirren, so werden ihre Schwächen von Tätern hemmungslos ausgenutzt. Der neue Partner zeigt sich als Retter, der sich erstmal rührend um sein neues ahnungsloses gefundenes Opfer kümmert, es mit Aufmerksamkeit überhäuft.
Oder aber sie werden im Ausland mit fingierten Arbeitsangeboten und falschen Versprechungen nach Deutschland gelockt. Manche wissen, daß sie hier der Prostitution nachgehen werden, sie ahnen aber nicht unter welchen Bedingungen. Daß sie versklavt, eingesperrt, vergewaltigt und körperlich mißhandelt werden. Daß ihnen die Pässe abgenommen werden.

Natürlich ist Prostitution nicht immer erzwungen. Und es gibt Frauen, die freillig dieser Tätigkeit nachgehen. Freiwilligkeit bedeutet hierbei, daß sie ihren Arbeitsplatz aussuchen und ihre Arbeitsbedingungen selbst bestimmen können. Sowie ihr Serviceangebot und die Arbeitszeiten. Sie dürfen jederzeit Urlaub machen- oder auch pausieren und wenn sie wollen ganz aufhören. In der Regel haben sie so mit dem Umfeld der organisierten Kriminalität nichts zu tun, werden nicht ausgebeutet.

Erzwungene Prostitution ist etwas vollkommen anderes! Nämlich eine Menschenrechtsverletzung und ein Verstoß gegen das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, Freiheitsberaubung sowie weitere Formen der Gewalt und Bedrohung. Gelingt einer Frau die Flucht, was eher die Ausnahme darstellt, so ist die nicht selten erstmal obdachlos und findet sich im möglicherweise fremden Land nicht zurecht. Kommt es, beipielsweise infolge einer Razzia zu einer Aussage gegen die Täter, so begeben sich die Betroffenen in Gefahr für Leib und Leben. Verständlich, daß so viele Mädchen und Frauen die Aussage verweigern, weil sie Angst haben ermordet zu werden. Aber es gibt verschiedene Angebote für Opfer von Zwangsprostitution und Menschenhandel, durch die sie geschützt und sicher untergebrwacht werden. Die Polizeibehörden arbeiten eng mit Fachberatungsstellen zusammen.

Zwangsprostitution ist letztenendes nur möglich durch die Kunden, die den Tätern ihre Leistungen honorieren, denn sie selbst bekommen wenn überhaupt sehr wenig davon zu sehen. Gelingt einer Frau wider Erwarten die Flucht oder wird sie bei einer Razzia befreit, so ist sie meist völlig mittellos, hat möglicherweise nicht einmal etwas zum Anziehen. Es ist daher auch von großer Bedeutung potentielle Kunden von Prostituierten dafür zu sensibilisieren, ob die jeweilige Frau wirklich freiwillig arbeitet oder gezwungen wird. Kaum ein Gast wird sich bereitwillig bei einer Polizeibehörde als Prostiututionskunde outen und eine ihm verdächtige Adresse melden. Das ist ein ernstes Problem bei der Bekämpfung der Zwangsprostitution und des Menschenhandels.

Wir möchten auf zwei aktuelle Kampagnen hinweisen, die im Vorfeld der FIFA Weltmeisterschaft gestartet wurden.:

www.stoppt-zwangsprostitution.de

Diese Kampagne wird von verschiedenen Organisationen sowie der Gewerkschaft der Polizei unterstützt.

www.solwodi.de

SOLWODI ist eine von Dr. Lea Ackermann ins Leben gerufene Organisation, die Beratung und Hilfe für Mädchen und Frauen anbietet, die Opfer von Zwangsprostitution und Menschenhandel wurden. Im Vorfeld der FIFA Weltmeisterschaft hat SOWODI eine Hotline eröffnet, in der auch betroffene Mädchen und Frauen anrufen können. Die Beraterinnen am Telefon sind eigens dafür geschult und sprechen insgesamt 6 osteuropäische Sprachen.

www.abpfiff-zwangsprostitution.net

Bei dieser Kampagne geht es um die Rechte von Prostituierten und der Frauen, die gegen ihren Willen in Deutschland zur Prostitution gezwungen werden. Diese Kampagne geht zeitlich über die FIFA Weltmeisterschaft hinaus.

Wir haben einen Webring eingerichtet, in dem sich Behörden und Organisationen sowie einzelne Personen vernetzen können, die sich gegen die Zwangsprostitution einsetzen oder dieses Engagement unterstützen wollen.

Wir möchten diesen Artikel sowie weitere noch folgende Informationen im Bereich Prävention gerne in andere Sprachen übersetzen lassen. Wer hilft uns bitte dabei?

Wir haben einen Webring eingerichtet, in dem sich Behörden und Organisationen sowie einzelne Personen vernetzen können, die sich gegen die Zwangsprostitution einsetzen oder dieses Engagement unterstützen wollen.

Weitere Links:

www.gegenfrauenhandel.de

www.kok-potsdam.de

www.agisrakoeln.de

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Monika Kreusel

Zuletzt aktualisiert am 1.06.2006

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