Am 17. August 2006 fand ab 13.00 h eine von Tina S., Autorin des Buches 'Inmitten vom Nirgendwo' und Dian Tara Krautz, tätig als Krankenschwester in den Rheinischen Kliniken Köln, organisierte Lesung in den Räumen der Ambulanz der Kliniken statt. Tina S., Gründerin der Borderline-Selbsthilfezeitschrift Grenzposten, war dafür aus Rostock gekommen.



Tina S. und Dian Tara Krautz im Gespräch vor Beginn der Lesung

Die Veranstaltung war gut besucht, auch Mitarbeiter der Kliniken waren gekommen. Auch anwesend war Reka Markus, die Leiterin der Tagesklinik 17 für Patienten mit Persönlichkeitsstörungen. Sie leitet zudem mit Dian Tara Krautz die drei ambulanten DBT-Gruppen der Rheinischen Kliniken.

Auf der Suche nach weiterer Literatur zur Borderline-Persönlichkeitsstörung war Dian Tara Krautz auf das hier von der Autorin vorgestellte Buch 'Inmitten vom Nirgendwo - Der lange Weg einer Borderline-Patientin' gestoßen und hat es begeistert gelesen. Sie nahm Kontakt auf zu Tina S. und somit organisierten beide die Lesung in Köln.



Tina S. ist 24 Jahre alt, lebt in Rostock und ist dort auch aufgewachsen. Sie studiert Anglistik, Sport und Deutsch als Fremdsprache auf Lehramt. Sie begegnete uns kurz vor Beginn der Lesung als eine sehr freundliche, hübsche, schlanke und gut gelaunte junge Frau. Nichts läßt vermuten, daß sie eine Frau ist, die durch sexuelle und körperliche Gewalt schwer traumatisiert ist und an den Folgen leidet. Sie leidet an einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und hat im Dezember 2004 die Borderline-Selbsthilfezeitschrift 'Grenzposten' gegründet. In dieser Zeitschrift beschreiben Betroffene ihr Leben mit der Borderline-Störung. Vier Redaktionsmitglieder aus ganz Deutschland organisieren die Inhalte und vertreiben die Zeitschrift mit einer Auflage von 1300 Exemplaren pro Ausgabe.



Tina S. liest aus ihrem Buch

Zu den Abonementen gehören nun auch die Rheinischen Kliniken Köln. In der Tagesklinik 17 sowie auf allen Stationen stehen Betroffenen Exemplare der Zeitschrift zum Lesen zur Verfügung, wie Dr. Reka Markus ankündigte. Patientenschulung ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie von Persönlichkeitsstörungen, so auch bei Menschen, die unter einer Borderline-Persönlichkeitsstörung leiden.



Dian Tara Krautz ist Krankenschwester, DBT-Co-Therapeutin, DBT-Co-Trainerin sowie Praxisanleiterin und arbeitet seit Jahren gerne mit Borderline-Patientinnen zusammen, da sie sehr motiviert und kreativ sind. Sie tritt sehr kraftvoll, engagiert und warmherzig auf. Zusammen mit Reka Markus hilft sie in den ambulanten DBT-Gruppen Borderline-Patientinnen und -Patienten ihr Verhalten besser zu steuern und ihre Krankheit somit besser zu bewältigen. DBT steht für Dialektisch Behaviorale Therapie und wurde von der Amerikanerin Marsha Linehan und ihren Kollegen speziell für suizidale Borderline-Patientinnen entwickelt.



Dian Tara Krautz

Die 34-jährige Krankenschwester arbeitet schon viele Jahre in den Rheinischen Kliniken mit Borderline-Patientinnen, hat ihre Ausbildung für die DBT in Freiburg absolviert und leistet darüber hinaus Öffentlichtskeitsarbeit und Fortbildung für ihre Kollegen zum Thema Borderline. Neben der Arbeit in der Tagesklinik 17 für Patientinnen und Patienten mit Persönlichkeitsstörungen, der Arbeit in den drei ambulanten DBT-Gruppen, führt sie die Vorstellungsgespräche für diese Gruppen. Freitags bietet sie zusätzlich Beratungsgespräche für Borderline-Patientinnen an, die von außerhalb der Rheinischen Kliniken kommen und Interesse an der DBT haben.



Reka Markus ist Funktionsoberärztin und leitet innerhalb der Rheinischen Kliniken Köln die Tagesklinik 17 sowie seit 4 Jahren zusammen mit Dian Tara Krautz die drei ambulanten DBT-Gruppen. Sie ist auffallend hübsch, hat lange blonde Haare und ist bemerkenswert engagiert um die Therapie mit ihren Patientinnen und Patienten bemüht. Bereits seit den Anfängen dessen ist sie Mitglied im Dachverband Dialektisch Behaviorale Therapie e.V., dem wir als förderndes Mitglied mittlerweile selbst angehören. Begeistert spricht Reka Markus während der Diskussion im Anschluß an die Lesung von ihrer Arbeit mit Borderline-Patientinnen. Die Arbeit mit den Borderline-Patientinnen nennt sie sehr interessant, faszinierend, bunt und unterschiedlich. In der Therapie gehe es nie darum, die Persönlichkeit der Patientinnen zu verändern, sondern um ihren Umgang mit der Erkrankung sowie um das Verändern ihres Verhaltens. Die DBT ist ein Wechselspiel aus Akzeptanz und Veränderung, erklärt sie einer Angehörigen, was den Betroffenen helfe.



Doch nun zum Buch und dem Vortrag von Tina S.. Die beginnt mit einem gefühlvollen und ausdrucksvollen eigenen Gedicht, das das Leben von Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung beschreibt.

Im Anschluß daran hält sie einen allgemeinen Vortrag zur Borderline-Persönlichkeitsstörung, an einer Leinwand können die Besucher wichtige Details lesen und sich notieren. Sie hat sich mit der Ausarbeitung am Computer sichtlich viel Mühe gegeben und ihr Votrag war bemerkenswert entspannt. Insbesondere dann, wenn man bedenkt, daß sie über die erlebte Gewalt sprach. Der Vertrag und vor allem das Vorlesen aus ihrem Buch ging vielen Besuchern sehr nahe, so, daß sie flexibel auf die Situation einging und den weiteren Verlauf der Lesung nach der Pause spontan änderte, um andere traumatisierte Menschen nicht zu überfordern, wofür auch wir ihr wirklich dankbar waren. Sie nahm es nicht übel, daß einige Patientinnen vorübergehend den Raum verließen, weil sie durch das Vorlesen einer Textpassage getriggert wurden. So vermittelte sie nach der Pause, daß trotz schwerster Erlebnisse mithilfe einer geeigneten Therapie ein besseres Leben mit Borderline möglich wird. Daß Betroffene lernen können, zu leben, leben zu wollen. Durch eine Therapie wird ein beschwerdenfreieres Leben mit Borderline möglich.



Tina S. im Gespräch mit dem Oberarzt Herrn Becker

Im Anschluß an die Lesung fand eine Diskussion statt, bei der die Besucher auch Fragen stellen konnten an Tina S. und Dian Tara Krautz, auch Reka Markus beteiligte sich sehr aktiv an den Antworten. Die Fragen waren ganz unterschiedlich, sie kamen von Betroffenen, Angehörigen sowie Klinikmitarbeiterinnen. Sehr deutlich wurde dabei, wie unterschiedlich Menschen mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung sind, daß nicht alle die selben Symptome haben. Nicht alle verletzen sich beispielsweise, andere haben große Probleme ihre Wut zu kontrollieren und haben dadurch immer wieder erhebliche Konflikte mit ihren Mitmenschen. Im Rahmen der 9 möglichen Kriterien sind zahlreiche Kombinationen von Symptomen und Verhaltensweisen möglich. Es gibt nicht den Borderliner.


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In der nächsten Zeit wird hier mehr zum Buch selbst zu finden sein. Wir bitten um Geduld. Danke.



Conrinna Holzheimer schlug der Autorin Tina S. vor, aus persönlichen auf ihrem Computer gespeichrten Aufzeichungen ein Buch zu machen und dies bei ihr zu veröffentlichen. In Kürze wirst du hier mehr dazu erfahren.



Grenzposten
Holzheimer-Verlag
Rheinische Kliniken Köln
Dachverband Dialektisch Behaviorale Therapie e.V.

Die Fotos wurden uns von den Rheinischen Kliniken Köln zur Verfügung gestellt.

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Borderline-Persönlichkeitsstörung



Monika Kreusel

Zuletzt aktualisiert am 24.08.2006

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